Archive for Dezember, 2012

Was macht einen guten Studiengang aus?

Ein Jahr ist es nun her, dass der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft unseren Studiengang “B.A. Frühkindliche inklusive Bildung” mit dem Cum-Laude-Preisausgezeichnet hat. Im Laufe des Wettbewerbs, in dem 82 Studiengänge von Studierenden für den Preis vorgeschlagen worden waren, wurden für mich noch einmal die Kriterien deutlich, die einen “guten” Studiengang auszeichnen. Diese Überlegungen sind nun in einem Beitrag in “Das Hochschulwesen” (5/2012, S. 125-128) erschienen. Als zentrale Kriterien für Studiengangsqualität sind insbesondere fünf Aspekte von Bedeutung:

  1. Systemoffenheit: Offenheit für die berufliche Praxis, internationale Partner in Wissenschaft und Praxis und virtuelle Welten bzw. das Internet. Eine Verbindung zwischen diesen Ebenen herzustellen und die darin liegenden Lernchancen zu nutzen, ist eine wichtige Funktion von Studiengängen.
  2. Forschungsbezug: Die Rezeption aktueller Forschungsergebnisse ist nur der erste Schritt in Richtung eines forschungsorientierten Studiums. Analyse und Reflexion von Forschung und dann auch eigene Forschungsaktivitäten von Studierenden (Forschendes Lernen) sind die nächsten Schritte.
  3. Partizipation: Grundlage hierfür ist die Abkehr von einem traditionellen Rollenverständnis der Lehrenden. In einem Studiengang könnten Lehrende und Studierende eine Lern- und Entwicklungsgemeinschaft bilden.
  4. Sinn: Durch einen gemeinsamen Leitbegriff, ein spezifisches Berufsfeld oder eine besondere Schnittstelle können sinnstiftende Kontexte geschaffen werden, die ein wesentlicher Faktor für Motivation und Zielorientierung sein. Dieser Sinn wird idealerweise sowohl auf der ebene des gesamten Studiengangs als auch auf der Ebene der einzelnen Lehrveranstaltung geschaffen.
  5. Studierbarkeit: Realistische und lebensumständeorientierte Studienorganisation, bei der Anforderungen des Studiengangs und Zeitressourcen in einem sinnvollen Verhältnis zueinander stehen – ein in Akkreditierungsverfahren bereits stark verankertes Kriterium.

Inhaltlich fundierte und strategisch durchdachte Strukturen sind also nur ein Teil der Lösung. Der andere Teil besteht in einer lernförderlichen und unterstützenden Lehr-Lernkultur und in der Schaffung angemessener Lernkontexte für die in jedem Studiengang spezifischen Qualifikationsziele und Disziplinbezüge. Diese Dimension lässt sich jedoch nicht vorschreiben, sondern muss immer wieder neu erfunden und entwickelt werden.

Apple statt Äpfel – Kindheit als Medienkindheit

Die gewachsene und weiter wachsende Bedeutung von Medien im Leben von Kindern erfüllt viele Erwachsene und gerade auch PädagogInnen mit gemischten Gefühlen. Jedoch wäre es verkürzt, diese Entwicklung nur als Ergebnis des technischen Fortschritts zu sehen. Dass Kindheit heute auch Medienkindheit ist, ist Teil eines umfangreicheren Wandlungsprozesses, in dem die Mediennutzug von Kindern ihren Teil hat. Wichtige Faktoren dieses Wandels sind:

  • Begrenzung der Spiel- und Freizeitwelt
  • Pädagogisierung und Expertisierung
  • Förder- und Bildungsorientierung
  • Toleranz und Kindorientierung als Erziehungsnormen
  • Wachsende Anforderungen an die Work-Life-Balance

Im aktuellen Themenheft (6/2012) der Zeitschrift für Tagesmütter und -väter “ZeT” geht es um “Kindheit gestern – heute – morgen.”  Meinen Beitrag zur Medienkindheit (S. 15-17) schließe ich mit der Perspektive, die Medienkompetenz von Kindern zu stärken: “Aus pädagogischer Sicht kann ein resigniertes Hinnehmen dieser Veränderungen ebenso wenig die Lösung sein wie der Versuch, sich komplett gegen Medienangebote abzuschotten. Ziel sollte es vielmehr sein, Kinder dabei zu unterstützen, selbstbewusste und kritische Nutzer von Medien zu werden. Nur wer mit Medien kompetent umgehen kann, ist auch in der Lage, sie als Werkzeuge der persönlichen Entwicklung und Entfaltung zu nutzen – und manchmal auch einfach nur die „Off“-Taste zu drücken.” (S. 17).