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Kleine Kinder smart am Phone

Heute lade ich zu einer – völlig subjektiven und zufälligen – Reise durch die Welt der Apps für Kinder zwischen 2 und 5 ein. Stationen auf dieser Reise: Bücher, Spiele, Erweiterte Realität und Kreativität.

Hören, schauen, erkennen: Bücher

Bücher für Smartphone und Tablet stehen sowohl als App als auch als e-Bilderbücher zur Verfügung. Beispiele für solche in eine App integrierte E-Bilderbücher sind zwei neue Apps, die von der Initiative Lesestart angeboten werden

1. „Meine ersten Bücher“ aus der Pixi-Reihe (Carlsen Verlag) mit einer Geschichte von Simone Nettingsmeier und Illustrationen von Miriam Cordes.

2.  „Alle meine Bücher“ (Geschichte: Sandra Grimm, Illustrationen: Antje Flad, Verlag: Ravensburger).

In beiden Apps steht eine Geschichte im Mittelpunkt, die von einer (kindlichen) Sprecherin gut verständlich vorgetragen wird. Zusätzlich kann Text eingeblendet werden, so dass auch alternativ andere Personen, z. B. die Eltern, vorlesen können. Wie in einem gedruckten Buch können die Bilder nacheinander angewählt werden. Die Menüführung ist nicht immer ganz übersichtlich. Zusätzlich enthalten die Apps ein Puzzle bzw. ein Memory. Fazit: Eine gut gemachte App mit einem klassischen Bilderbuch. Etwas aufdringlich ist die enthaltene Promotion der „Initiative Lesestart“. Sie gibt der ganzen sonst eher wertigen App einen sehr werblichen Charakter, der zur Förderung der Initiative nicht notwendig gewesen wäre.

Vorhandene e-Bilderbücher bieten teilweise eine noch höhere Qualität bei Story und Zeichnung. Basierend auf den jeweiligen Print-Varianten gibt es zahlreiche beliebte Kinderbücher im App-Format. So etwa Rotraut Susanne Berners Karlchen-Geschichten (Hanser Verlag), bei denen jeweils auch eine Vorlesevariante eingeschaltet werden kann. So gibt es auch Lauras Stern, Ritter Rost oder Klassiker wie Struwwelpeter und Max und Moritz. Einige Bücher bieten auch einen deutlichen Mehrwert zur Printversion: In den Ritter-Rost-Büchern (Terzio) kann die Musik, die sonst als CD beiliegt, direkt mitgehört (und mitgesungen) werden.

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aus: Gute Nach Karlchen von Rotraut Susanne Berner 

Eine andere Facette nehmen die Wimmel-Apps auf, die in Anlehnung an Wimmelbücher an Schauplätzen des täglichen Lebens detailreiche Zeichnungen mit großem Entdeckungspotenzial finden. Die „Wunderwimmel“-Apps (wonderkind) sind hier besonders zu erwähnen. Hier finden sich kleine Animationen und viele Entdeckungsmöglichkeiten. Berührt man auf dem Bildschirm etwa in der App „Meine Stadt“ die am Rande des Spielplatzes stehende Mutter, so fängt sie gleich an zu schimpfen – humorvoll ist die App also auch gestaltet. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das kleine Format, das sich auch nicht größer ziehen lässt – aber der Zielgruppe Kinder wird das weniger ausmachen.

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aus: Wunderwimmelbuch – Meine Stadt

Etwas kritischer zu beurteilen ist die „WimmelApp“ (Links der Isar GmbH). Ich habe mir die Variante „WimmelZoo“ genauer angesehen. Eine Idee ist hier, das gleiche Bild in verschiedenen Jahreszeiten darzustellen.  Leider tragen dann die Figuren auch im Winter ärmellose Sonnentops tragen (zitter!). Hier ist einfach etwas lieblos gearbeitet worden – schade!

Wischen, drücken, schieben: Spiele

Einen ganz anderen Zugang zum Thema bieten Spiele-Apps für Kleine. In diesem Jahr mit dem Deutschen Computerspielepreis ausgezeichnet wurde „Meine 1. App – Band 1: Fahrzeuge“ (appp media) von Kristin Heitmann. Die App beinhaltet drei Spiele, detailreich illustriert von Pe Grigo. Hier der Trailer:

Die Spiele bedienen unterschiedliche Schwierigkeitsniveaus. Schon 2-jährige können die zwei Hälften verschiedener Fahrzeuge passend einander zuordnen. Richtige Zuordnung wird mit einer kleinen Animation belohnt: Der Bulli bekommt Blumen aufgemalt, das Feuerwehrauto wirft sein Martinshorn an und der Rennfahrer dreht eine Ehrenrunde und spritzt mit Sekt…äh, natürlich Mineralwasser. Ein Puzzle und ein Murmelspiel, in denen die Fahrzeuge variiert werden, kommen hinzu.

Zu haben sind auch Memory Spiele in den unterschiedlichsten Varianten: In i-Optik etwa „AniMatch“ (Lima Sky), wobei Felder mit gleichen Tiere aufgedeckt werden müssen. Sobald ein Pärchen gefunden wurde, ertönt das passende Tiergeräusch. Auch vom Spiele-Verlag Ravensburger gibt es entsprechende  Angebote im klassischen Kärtchen-Design.

Ausprobieren, erkunden, entdecken: Erweiterte Realität

Eine weitere – zahlenmäßig deutlich schwächere Kategorie – bilden Apps, die sinnlich wahrnehmbare und virtuelle Realität miteinander verbinden (augmented reality). Ein schönes Beispiel ist hier die App „Color Genius“ (Med App Factory): Bei dieser App wird eine Farbe vorgegeben und die Spieler*innen müssen in ihrer Umgebung nach dieser Farbe suchen. Wird die Farbe gefunden erkennt die App einen Treffer und ein Applaus ertönt. Außerdem wird der Name der Farbe genannt – allerdings nur in englisch und spanisch.

 

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aus: „Color Genius“ (Med App Factory)

Aufnehmen, zeichnen, verfremden: Kreativität

Für etwas ältere Kinder gibt es in dieser Gruppe Applikationen, in denen Fotos verfremdet oder um „übersinnliche“ Elemente ergänzt werden können. Mit der Gratis-App „Fold Cam“ (Cripster) können Fotos aufgenommen und mit virtuellen Stiften „verschönert“ werden. Hinzu kommen natürlich verschiedene Zeichen-Apps, in denen man mit Stiften in verschiedenen Farben und Stärken und manchmal auch mit vorgefertigten Formen Bilder erstellen kann (z.B. KidsPaint von ABCiSoft). Aber mal ganz ehrlich: Sogar unterwegs findet sich doch die Rückseite eines Kassenbons und ein Ikea-Bleistift und führt zu ansprechenderen Kunstwerken ;-)

Das Bild oben in der Titelzeile stammt aus “Meine 1. App”  – Fahrzeuge von Kristin Heitmann und Pe Grigo

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