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Was ist ein Recht? Kinderrechte verständlich machen

Die Entwicklung einer Kita-Verfassung und das Thema Partizipation werden momentan in vielen Kindertageseinrichtungen diskutiert. Auch beim letzten Treffen des „Dialog Reggio“ – Landesverbandes NRW stand das Thema auf der Agenda. Aus der Kita „KinderArche“ in Unna stellte Sonja Pannkauke-Kaiser vor, wie in ihrer Einrichtung eine Kita-Verfassung entstand und wie sie die Partizipation von Kindern umsetzen. Beeindruckend war es zu hören, wie intensiv sich das Team mit den Kinderrechten befasst hat und wie es gelingen kann, ein Kinderparlament aufzubauen. Insbesondere eine Frage hat mich seitdem immer wieder beschäftigt: Wie können Kinder verstehen, was ein „Recht“ ist?

In der Diskussion hatte ich noch den Standpunkt vertreten, dass Kinder diesen abstrakten Begriff wie andere abstrakte Begriffe auch (z.B. Liebe, Gemeinschaft) nach und nach erschließen. Andere Diskussionsteilnehmerinnen waren der Meinung, es sei wichtig, Kindern zu erklären, was das sei, ein „Recht“. Und inzwischen muss ich meine Meinung relativieren: Was ein Recht ist, erschließt sich möglicherweise nicht von selbst und ist anfällig für Missverständnisse. Konkret: Wenn Kinder zu den Fragen, die sie selbst betreffen angehört werden müssen und mitentscheiden dürfen, dann ist das keine „nette Geste“ der Erwachsenen, sondern sie haben ein Recht darauf. Wenn Kinder spielen dürfen, dann ist das kein großzügiger Freiraum, den Erwachsene den Kindern gewähren, sondern sie haben ein Recht darauf. Dieser Unterschied zwischen Großzügigkeit oder Freundlichkeit einerseits und einem einklagbaren Anrecht ist ganz zentral für die Menschenrechte und eben auch für die daraus abgeleiteten Kinderrechte. Dieses Prinzip zu verstehen, ist damit auch ein wesentlicher Bestandteil einer demokratischen Bildung bzw. einer Erziehung zur Demokratie.

Doch wie können diese Rechte auch als solche verständlich werden? Bilderbücher zum Thema Kinderrechte und Partizipation können den Erkenntnisprozess unterstützen. Zwei Neuerscheinungen und ein etwas älteres Buch sollen deshalb hier exemplarisch vorgestellt werden: Im Sommer frisch erschienen ist eine kleine Buchreihe für Kinder von Rüdiger Hansen und Raingard Knauer. Die Autor*innen bilden den Vorstand des Kieler „Instituts für Partizipation und Bildung“, und haben zusammen mit der Bertelsmann Stiftung fünf Bücher entwickelt. Hauptfiguren sind Leon und Jelena, die in ihrer Kita an verschiedenen Beispielen in partizipativen Prozessen aktiv werden: die Gestaltung des Außengeländes („Der neue Kletterturm“), Wirksam werden in Umfeld der Kita („Die Hundehaufen im Park“) oder die Einrichtung eines Kinderparlaments („Jelena im Kinderparlament“).

Leon und Jelena: Partizipation im Kindergarten

Leon und Jelena: Partizipation im Kindergarten

Klare Illustrationen in der Buchreihe von Hansen und Knauer

Klare Illustrationen in der Buchreihe von Hansen und Knauer

 

 

 

 

 

 

 

Die Buchreihe wurde von Matthias Berghahn sehr klar und sachlich illustriert. Im absolut nicht repräsentativen Praxischeck sprachen diese eher aufklärerisch denn spielerisch aufgebauten Bücher vor allem meine 11- und 12-jährigen Kinder an, weniger den 3-Jährigen. Das 2013 erschienene Buch „Ich bin ein und und ich habe Rechte“ von Alain Serres und Aurélia Fronty stellt verschiedene Kinderrechte eher poetisch dar: Jede Doppelseite widmet sich einem Thema. Dort wird dann nicht nur das Recht selbst genannt, sondern in kindlicher Sprache werden Bezüge zur Alltagswelt hergestellt und Beispiele eingebaut. Dazu passt auch die Bildsprache der Illustratorin: Sie wählt eine fantastisch anmutende Darstellung mit starken Farben und spielt mit Formen und Größen.

Die Illustrationen muten teilweise wie Traumbilder an. Das Buch ist teil der UNICEF-Reihe des Nord-Süd-Verlages. Insgesamt werden 54 Rechte dargestellt. Das Vorlesen Seite für Seite ist jedoch eher schwierig. Vielmehr können Einzelseiten betrachtet werden und als Anregung dienen. Mir fehlen dabei jedoch die herausfordernden Diskussionsimpulse, die Gesprächsanlässe.

Ein drittes Buch zum Thema mit dem Titel: “Wir haben Rechte!” stammt von Manuela Olten (Text und Bild) und ist frisch bei Don Bosch erschienen. Es ist ähnlich aufgebaut wie das Buch von Serres und Fronty, jedoch deutlich kürzer: Es konzentriert sich auf 10 Kinderrechte, die jeweils knapp in einem Satz formuliert sind. Die Rechte werden zum Teil augenzwinkernd illustriert und in klarer Bildsprache interpretiert. Das Buch ist im Mini-Format (12 x 12 cm) erhältlich, man kann es jedoch auch als Set von DIN-A3-Karten bestellen, die sich dann als echter Diskussionsimpuls beispielsweise in einer Kita-Gruppe eignen.

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Die drei vorgestellten Bücher können einander ergänzen und verfolgen unterschiedliche Ziele. Sie bieten – jedes auf seine Art – einen guten Einstieg in die Frage, was eigentlich ein Recht ist, welche Kinderrechte es konkret gibt und wie diese umgesetzt werden können.

Und wem jetzt noch ein Grund fehlt, sich JETZT mit dem Thema zu befassen, der sei daran erinnert, dass sich die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention sich in diesen Wochen zum 25. Mal jährt.

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Intelligent Material

Die deutsche Version gibt es hier (Blog der Dialog Reggio Landesgruppe NRW)

Sponges, cardboard rolls, plastic cups, tea bag tags – everyday objects, which become throw-outs after use. Children instead can breathe new life into these objects. Inspired by several projects from Reggio Emilia (Italy) and by impressions of early childhood education and care (ECEC) centres in Germany in June I called for pictures with everyday objects as material in Early Childhood settings. Today I can share a selection of the examples I collected:

Abundance and variety are important characteristics of this kind of material when used in ECEC settings (Thornton und Brunton 2014). Thus the „Tageseinrichtung Oase“ in Fröndenberg offers a large amount of ice cups. As the picture shows, they can be arranged as a wall or pile. Correspoinding ice spoons – a penny good as well – can be used to place patterns as the picture shows. Continue Reading

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Von der Zeitoptimierung zum Zeitreichtum – Zeitfragen in der Pädagogik

Die These dieses Blogbeitrags lautet: Langsam ist zwar oft besser, aber verdammt schwierig umzusetzen. Wie komme ich darauf? Das Thema Zeit ist für mich gerade „dran“, im Gespräch mit einer befreundeten Kitaleiterin fragte sie mich spontan, ob ich nicht mit ihrem Team etwas zum Thema Zeit machen könne. Ich nahm das als Anlass, mich etwas intensiver mit Zeit zu befassen, wobei ich gleich gemerkt habe, dass ich mich eigentlich ständig mit Zeit beschäftige, genauer gesagt mit der Frage, wie ich mit der viel zu knappen Zeit umgehe. Und da bin ich offenbar nicht die einzige: Zeitmangel gehört offenbar zu unserer Art zu leben fast unweigerlich dazu. Aus einer anderen Perspektive betrachtet kann man natürlich auch sagen, das Problem ist nicht der Zeitmangel, sondern die Tatsache, dass wir immer mehr in dieser Zeit tun und erreichen wollen. Continue Reading

Unglückliche Kinder? Die neue UNICEF Kinderstudie

Die Situation von Kindern und Jugendlichen war in der vergangenen Woche ein wichtiges Thema in den Medien. Dank der neuen UNICEF-Studie zur Lage der Kinder, befassten sich zahlreiche Beiträge mit der Perspektive von Kindern und der Frage, wie man diese verbessern könne. Für alle, die sich tagtäglich mit den Rahmenbedingungen des Aufwachsens von Kindern befassen eine positive Entwicklung. Eigentlich. Denn die Argumentation, die die Berichterstattung nahm, gibt zu denken.So titelte die BILD Zeitung: „Unsere Kinder werden immer unglücklicher“. Und auch die ZEIT schreibt: „Unglücklich trotz besserem Leben.”  Continue Reading