All posts tagged Medienpädagogik

IMG_1535

Was ist ein Recht? Kinderrechte verständlich machen

Die Entwicklung einer Kita-Verfassung und das Thema Partizipation werden momentan in vielen Kindertageseinrichtungen diskutiert. Auch beim letzten Treffen des „Dialog Reggio“ – Landesverbandes NRW stand das Thema auf der Agenda. Aus der Kita „KinderArche“ in Unna stellte Sonja Pannkauke-Kaiser vor, wie in ihrer Einrichtung eine Kita-Verfassung entstand und wie sie die Partizipation von Kindern umsetzen. Beeindruckend war es zu hören, wie intensiv sich das Team mit den Kinderrechten befasst hat und wie es gelingen kann, ein Kinderparlament aufzubauen. Insbesondere eine Frage hat mich seitdem immer wieder beschäftigt: Wie können Kinder verstehen, was ein „Recht“ ist?

In der Diskussion hatte ich noch den Standpunkt vertreten, dass Kinder diesen abstrakten Begriff wie andere abstrakte Begriffe auch (z.B. Liebe, Gemeinschaft) nach und nach erschließen. Andere Diskussionsteilnehmerinnen waren der Meinung, es sei wichtig, Kindern zu erklären, was das sei, ein „Recht“. Und inzwischen muss ich meine Meinung relativieren: Was ein Recht ist, erschließt sich möglicherweise nicht von selbst und ist anfällig für Missverständnisse. Konkret: Wenn Kinder zu den Fragen, die sie selbst betreffen angehört werden müssen und mitentscheiden dürfen, dann ist das keine „nette Geste“ der Erwachsenen, sondern sie haben ein Recht darauf. Wenn Kinder spielen dürfen, dann ist das kein großzügiger Freiraum, den Erwachsene den Kindern gewähren, sondern sie haben ein Recht darauf. Dieser Unterschied zwischen Großzügigkeit oder Freundlichkeit einerseits und einem einklagbaren Anrecht ist ganz zentral für die Menschenrechte und eben auch für die daraus abgeleiteten Kinderrechte. Dieses Prinzip zu verstehen, ist damit auch ein wesentlicher Bestandteil einer demokratischen Bildung bzw. einer Erziehung zur Demokratie.

Doch wie können diese Rechte auch als solche verständlich werden? Bilderbücher zum Thema Kinderrechte und Partizipation können den Erkenntnisprozess unterstützen. Zwei Neuerscheinungen und ein etwas älteres Buch sollen deshalb hier exemplarisch vorgestellt werden: Im Sommer frisch erschienen ist eine kleine Buchreihe für Kinder von Rüdiger Hansen und Raingard Knauer. Die Autor*innen bilden den Vorstand des Kieler „Instituts für Partizipation und Bildung“, und haben zusammen mit der Bertelsmann Stiftung fünf Bücher entwickelt. Hauptfiguren sind Leon und Jelena, die in ihrer Kita an verschiedenen Beispielen in partizipativen Prozessen aktiv werden: die Gestaltung des Außengeländes („Der neue Kletterturm“), Wirksam werden in Umfeld der Kita („Die Hundehaufen im Park“) oder die Einrichtung eines Kinderparlaments („Jelena im Kinderparlament“).

Leon und Jelena: Partizipation im Kindergarten

Leon und Jelena: Partizipation im Kindergarten

Klare Illustrationen in der Buchreihe von Hansen und Knauer

Klare Illustrationen in der Buchreihe von Hansen und Knauer

 

 

 

 

 

 

 

Die Buchreihe wurde von Matthias Berghahn sehr klar und sachlich illustriert. Im absolut nicht repräsentativen Praxischeck sprachen diese eher aufklärerisch denn spielerisch aufgebauten Bücher vor allem meine 11- und 12-jährigen Kinder an, weniger den 3-Jährigen. Das 2013 erschienene Buch „Ich bin ein und und ich habe Rechte“ von Alain Serres und Aurélia Fronty stellt verschiedene Kinderrechte eher poetisch dar: Jede Doppelseite widmet sich einem Thema. Dort wird dann nicht nur das Recht selbst genannt, sondern in kindlicher Sprache werden Bezüge zur Alltagswelt hergestellt und Beispiele eingebaut. Dazu passt auch die Bildsprache der Illustratorin: Sie wählt eine fantastisch anmutende Darstellung mit starken Farben und spielt mit Formen und Größen.

Die Illustrationen muten teilweise wie Traumbilder an. Das Buch ist teil der UNICEF-Reihe des Nord-Süd-Verlages. Insgesamt werden 54 Rechte dargestellt. Das Vorlesen Seite für Seite ist jedoch eher schwierig. Vielmehr können Einzelseiten betrachtet werden und als Anregung dienen. Mir fehlen dabei jedoch die herausfordernden Diskussionsimpulse, die Gesprächsanlässe.

Ein drittes Buch zum Thema mit dem Titel: “Wir haben Rechte!” stammt von Manuela Olten (Text und Bild) und ist frisch bei Don Bosch erschienen. Es ist ähnlich aufgebaut wie das Buch von Serres und Fronty, jedoch deutlich kürzer: Es konzentriert sich auf 10 Kinderrechte, die jeweils knapp in einem Satz formuliert sind. Die Rechte werden zum Teil augenzwinkernd illustriert und in klarer Bildsprache interpretiert. Das Buch ist im Mini-Format (12 x 12 cm) erhältlich, man kann es jedoch auch als Set von DIN-A3-Karten bestellen, die sich dann als echter Diskussionsimpuls beispielsweise in einer Kita-Gruppe eignen.

2099-Kinderrechte.indd

Die drei vorgestellten Bücher können einander ergänzen und verfolgen unterschiedliche Ziele. Sie bieten – jedes auf seine Art – einen guten Einstieg in die Frage, was eigentlich ein Recht ist, welche Kinderrechte es konkret gibt und wie diese umgesetzt werden können.

Und wem jetzt noch ein Grund fehlt, sich JETZT mit dem Thema zu befassen, der sei daran erinnert, dass sich die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention sich in diesen Wochen zum 25. Mal jährt.

IMG_8818

Frühe Medienbildung

Anfang Mai startet mein Seminar zur “Frühen Medienbildung” im Rahmen der Wissenschaftlichen Weiterbildung „Soziale Medienbildung“ am FB Sozialwesen der Hochschule Fulda. Die Weiterbildung ist im letzten Jahr gestartet Continue Reading

Bildschirmfoto 2014-02-10 um 22.24.21

Digital Citizenship starts in kindergarten: Tweeting and blogging with 5- and 6-year olds

Die deutsche Version des Beitrages gibt es hier als PDF

In the U.S. blog Teach.com I stumbled across a blog post by Sharon E. Davison from Vermont. She talks about her experiences with social media and blogging in kindergarten. Twitter and Facebook in kindergarten? Continue Reading

Minecraft

Minecraft und andere Lebenselixiere

Kinder und Medien sind ein „heißes Eisen.“ Erst zuletzt in einer Diskussion mit Studierenden über die Frage, was eine gute Kindheit ausmacht, werden die Bildschirmmedien als Bedrohung eines entwicklungsförderlichen, glücklichen und  gelingenden Aufwachsens gesehen.  Und nicht nur unter PädagogInnen weckt der Mediengebrauch von Kindern und Jugendlichen kritische Stimmen, die oft nahezu alarmistisch klingen (siehe dazu etwa „Digitale Demenz“ des Hirnforschers Manfred Spitzer).

Eine neue Perspektive auf das Thema bietet der Kulturwissenschaftler Robert Pfaller: Im gleichnamigen Buch beschreibt er die Bedeutung „Zweiter Welten“.  Continue Reading

Medienbildung

Nun ist meine Artikelserie zum Thema “Medienbildung in der Kita” in der Zeitschrift klein&groß abgeschlossen (Hefte 1, 2+3, 4, 5 in 2012). Der Zugang zum Thema erfolgt in diesen Beiträgen einmal nicht über die verschiedenen Medienarten (z.B. Fernsehen, Fotografie, Buch, Computer…), sondern über Strategien der medienpädagogischen Arbeit mit Kindern in Kindertageseinrichtungen:

  1. Gespräch über Medien und Medienerfahrungen
  2. Produktive Arbeit mit Medien
  3. Nutzung und Ausprobieren von Medienangeboten
  4. Kritische Beurteilung von Medien

Dieser Zugang macht Medien als integralen Bestandteil der Bildungsarbeit in Kindertagseinrichtungen sichtbar – und nicht als vom Alltag losgelöste Vorhaben. Medienpädagogik bedeutet eben nicht nur, den Kindern ab und zu ein altersgerechtes Computerspiel in der Computerecke anzubieten, sondern auch mit Kindern ins Gespräch zu kommen über ihre Medien und sie dabei zu unterstützen, sich Medien als Werkzeuge wie Hammer und Buntstift zu eigen zu machen. Medienpädagogik bedeutet aber auch, die Neugier der Kinder auf Medienprodukte als etwas Positives willkommen zu heißen und ihnen den Spaß daran nicht zu verderben.